tz Wiesn Madl: Was hinter dem Titel steckt – und warum er jedes Jahr wieder diskutiert wird

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Wenn sich München auf die Wiesn-Saison einstimmt, beginnt nicht nur das Dirndl-Bügeln und Reservierungs-Pokern: Auch Medienformate, die das Oktoberfest begleiten, laufen wieder an. Eines davon ist das „tz Wiesn Madl“ – ein Titel, der längst mehr ist als eine hübsche Randnotiz. Für viele Leserinnen und Leser gehört die Wahl zur Vorfreude wie das erste Maß-Posting im Freundeskreis. Andere halten sie für aus der Zeit gefallen. Und wieder andere sehen darin eine Bühne, auf der junge Frauen selbstbewusst zeigen können, wie sie Tradition, Moderne und Öffentlichkeit zusammenbringen.

Wer nach „tz wiesn madl“ sucht, will meistens wissen: Was genau ist das, wie läuft das ab, und was bedeutet es für die Gewinnerin – aber auch für alle, die mitmachen oder abstimmen? Genau darum geht es in diesem Artikel: um den Ablauf, die mediale Logik dahinter, die kulturelle Bedeutung des „Wiesn-Madls“ und die berechtigten Fragen, die ein solcher Wettbewerb heute aufwirft.

Was bedeutet „Wiesn-Madl“ – und was meint das „tz Wiesn Madl“ konkret?

„Wiesn-Madl“ ist im Münchner Sprachraum zunächst ein ziemlich weiter Begriff. Gemeint sein kann schlicht eine Frau, die in Tracht aufs Oktoberfest geht – ganz unabhängig davon, ob sie in einem Festzelt arbeitet, als Besucherin unterwegs ist oder beruflich auf der Theresienwiese zu tun hat. Das Wort spielt mit bayerischer Sprachfärbung, wirkt vertraut, manchmal auch verharmlosend – je nach Kontext.

Das „tz Wiesn Madl“ dagegen ist eine klar umrissene Medienaktion: Eine von der Münchner „tz“ begleitete Wahl, bei der Kandidatinnen vorgestellt werden und am Ende eine Gewinnerin gekürt wird. Wie genau das Verfahren in einem konkreten Jahr aussieht, kann sich verändern – mal mit stärkerem Fokus auf Online-Voting, mal mit mehr Live-Elementen. Im Kern bleibt aber die Idee gleich: Eine Person soll als Gesicht der Wiesn-Berichterstattung oder als symbolische Repräsentantin für das Oktoberfest-Feeling stehen.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Tradition und Inszenierung. Das Oktoberfest ist ein reales Volksfest mit Arbeitsplätzen, Sicherheitskonzept, Regeln und großen wirtschaftlichen Interessen. Ein Titel wie „tz Wiesn Madl“ ist dagegen ein mediales Format: Es arbeitet mit Bildern, Geschichten, Nahbarkeit – und mit der Sehnsucht nach einem „echten“ Wiesn-Gefühl, das man auch außerhalb Münchens versteht.

tz Wiesn Madl: Wie läuft die Wahl in der Regel ab?

tz Wiesn Madl

Wer mitmachen will, fragt zuerst nach dem Ablauf – und wer nur zuschaut, will wissen, worauf er oder sie da eigentlich abstimmt. Eine zentrale Besonderheit solcher Formate: Es ist keine staatlich geregelte Auszeichnung und kein offizieller Oktoberfest-Titel der Stadt. Es handelt sich um eine von einem Medium organisierte Aktion, die durch Öffentlichkeit und Beteiligung funktioniert. Dadurch entstehen Chancen – aber auch Verantwortlichkeiten.

Bewerbung, Vorstellung, Auswahl: Vom Dirndl-Foto zur Kandidatin

In der Regel startet alles mit einer Bewerbungsphase. Interessentinnen reichen Fotos und ein Kurzprofil ein, manchmal ergänzt durch ein paar persönliche Angaben: Warum Wiesn, was bedeutet Tracht, was machen sie beruflich oder in der Ausbildung, wie sind sie mit München verbunden? Welche Kriterien ein Medium anlegt, bleibt dessen Entscheidung – oft geht es um ein stimmiges Gesamtbild aus Ausstrahlung, Auftreten und Geschichte.

Schon an diesem Punkt wird klar: Es geht nicht nur um ein Dirndl. Ein „Madl“ soll in der Logik der Berichterstattung auch eine Figur sein, über die man erzählen kann – sympathisch, identifizierbar, mit Bezug zur Stadt oder zum Fest. Das kann authentisch sein, kann aber auch zur Schablone werden, wenn am Ende immer ähnliche Lebensläufe und ähnliche Fotos gewinnen.

Abstimmen und Mitfiebern: Warum ein Online-Voting so gut funktioniert

Viele Wahlen dieser Art leben vom Publikumsvotum. Das ist aus Medienperspektive naheliegend: Beteiligung sorgt für Reichweite, Reichweite sorgt für Aufmerksamkeit, und Aufmerksamkeit trägt die Aktion durch die Wochen vor dem Anstich. Für die Community entsteht ein spielerischer Wettbewerb – vergleichbar mit einer Wahl zur „Münchnerin der Saison“, nur eben klar auf die Wiesn zugespitzt.

Gleichzeitig ist ein Voting nicht automatisch ein Abbild „der schönsten Kandidatin“ (so platt will es kaum noch jemand formulieren, aber der Gedanke steht im Raum). Oft entscheiden Netzwerke: Wer mobilisiert den größten Freundeskreis, wessen Beitrag wird am häufigsten geteilt, wer hat in Vereinen, Betrieben oder auf Social Media die meisten Unterstützerinnen und Unterstützer. Das ist nicht per se unfair – es ist nur eine andere Art von Wettbewerb, als viele intuitiv annehmen.

Was die Gewinnerin typischerweise macht: Präsenz, Termine, Öffentlichkeit

Mit dem Titel „tz Wiesn Madl“ verbinden viele die Erwartung, dass die Gewinnerin während der Wiesn besonders sichtbar ist: bei Fototerminen, auf Veranstaltungen, möglicherweise bei medialen Auftritten oder als Begleitung bestimmter Programmpunkte. Das kann je nach Jahr sehr unterschiedlich ausfallen. Manchmal steht das Porträt im Vordergrund – die Gewinnerin erzählt von ihrer Wiesn, ihren Lieblingsorten oder ihren Tracht-Vorlieben. Manchmal ist es stärker eventorientiert.

Für die Gewinnerin bedeutet das in jedem Fall: Öffentlichkeit in kurzer, intensiver Form. Die Wiesn ist zeitlich begrenzt, aber medial verdichtet. Wer in diesem Zeitraum als „Gesicht“ präsentiert wird, bekommt schnell viel Rückmeldung – positive wie negative. Und genau hier beginnt der Teil, den man in der Glitzer-Perspektive gerne unterschlägt.

Warum Medien solche Formate lieben: Identität, Nähe, Ritual

tz Wiesn Madl

Oktoberfest-Berichterstattung ist ein eigenes Genre. Sie braucht Bilder, Menschen, Wiedererkennbarkeit. Das Fest selbst ist groß, unübersichtlich, oft laut und voller Gegensätze: Familiennachmittag und Partynacht, Brauchtum und Business, Nachbarschaft und Massentourismus. Medien versuchen, daraus Geschichten zu machen, die sich anfühlen, als wäre man „dabei“ – auch wenn man gerade hunderte Kilometer entfernt sitzt.

Ein Titel wie „tz Wiesn Madl“ liefert eine klare Figur, über die sich das Erzählen bündeln lässt. Leserinnen und Leser haben ein Gesicht, das sie wiedererkennen. Die Redaktion hat einen roten Faden. Und das Publikum kann sich beteiligen, statt nur zu konsumieren. Solche Mechaniken sind nicht neu; sie sind im digitalen Zeitalter nur sichtbarer geworden, weil Klicks, Likes und Abstimmungen den Prozess begleiten.

Gleichzeitig spielt auch Lokalstolz hinein. München ist stolz auf seine Wiesn – und nicht selten empfindlich, wenn Außenstehende das Fest auf Klischees reduzieren. Paradoxerweise arbeitet eine „Wiesn-Madl“-Wahl selbst mit Klischees, versucht aber im besten Fall, sie mit realen Biografien zu füllen: „Das ist eine von uns.“ Diese „Von-uns“-Behauptung kann verbinden – oder ausschließen.

Tracht, Tradition, Stilfrage: Was am Dirndl eigentlich so aufgeladen ist

tz Wiesn Madl

Wer über das „Wiesn-Madl“ spricht, spricht fast zwangsläufig über Tracht. Und damit über eine Mischung aus Geschichte, Mode, Heimatgefühl und Inszenierung. Das Dirndl ist heute für viele ein selbstverständliches Wiesn-Outfit – aber seine Bedeutung ist nicht fix. Für die einen ist es Ausdruck von Tradition und Zugehörigkeit, für andere schlicht ein schönes Kleid. Wieder andere empfinden den Trachtenzwang als sozialen Druck, gerade in Münchner Gruppen, in denen man „natürlich“ in Tracht auftaucht.

Dazu kommt: Tracht ist längst auch ein Markt. Schnitte, Farben, Marken, Accessoires, „authentische“ Details – und parallel die Debatte, was überhaupt noch als Tracht gilt. Ein Format wie „tz Wiesn Madl“ bewegt sich mitten in diesem Spannungsfeld. Die Fotos transportieren immer auch Stilentscheidungen: hochgeschlossen oder Ausschnitt, klassisch oder modisch, zurückhaltend oder auffällig.

Diese Aufladung macht die Sache komplizierter, als sie auf den ersten Blick wirkt. Denn wenn man öffentlich ein „Wiesn-Madl“ wählt, wählt man – ob man will oder nicht – auch eine ästhetische Norm. Wer gewinnt, setzt einen visuellen Maßstab. Genau deshalb ist die Frage nach Vielfalt so zentral: Welche Dirndl, welche Körper, welche Hintergründe, welche Lebensentwürfe kommen vor? Und welche bleiben unsichtbar?

Kritik und Gegenargumente: Zwischen Objektifizierung und Selbstbestimmung

Kaum ein Begriff zeigt so deutlich, wie sich gesellschaftliche Debatten verschoben haben, wie „Madel“-Wahlen. Was früher als harmloser Spaß durchging, wird heute schneller als sexistisch oder rückwärtsgewandt gelesen. Das ist nicht nur „Empörungskultur“, sondern oft eine nachvollziehbare Reaktion auf Mechanismen, die Frauen auf Aussehen und Rollenbilder reduzieren.

Die kritische Perspektive lautet: Eine Wahl, die Kandidatinnen vor allem über Bilder präsentiert, erzeugt Druck. Sie ordnet Menschen nach Attraktivitätslogiken, auch wenn das niemand so aussprechen möchte. Und sie nutzt das Oktoberfest-Setting, das ohnehin schon stark sexualisiert wahrgenommen werden kann – Dirndl-Ausschnitt, Flirt-Atmosphäre, Alkohol, Partybilder. Gerade junge Teilnehmerinnen stehen dabei in einem Umfeld, in dem Grenzen nicht immer respektiert werden, online wie offline.

Die Gegenperspektive ist ebenso real: Viele Frauen lassen sich nicht auf ein Objekt reduzieren, nur weil sie in einem Dirndl fotografiert werden. Sie nutzen Sichtbarkeit bewusst. Sie genießen die Aktion als Spiel, als Präsentation, als Möglichkeit, selbst zu definieren, wie sie auftreten wollen. Manche erleben es als Karrierebaustein (ohne dass das automatisch „Modeln“ sein muss), andere als persönliche Challenge: Raus aus der Komfortzone, rein in die Öffentlichkeit.

Entscheidend ist deshalb weniger die moralische Etikettierung, sondern die Ausgestaltung: Wird ein „Wiesn-Madl“ als vollständige Person dargestellt – mit Interessen, Haltung, Alltag? Oder bleibt es beim Bild? Gibt es Schutz vor entgleisenden Kommentaren? Wird Vielfalt nicht nur behauptet, sondern sichtbar gemacht? Und wie reflektiert geht das Medium mit der eigenen Macht um?

Öffentlichkeit im Jahr 2026: Social Media, Kommentarspalten, Sicherheit

Wer heute in einem öffentlichkeitswirksamen Format auftritt, bekommt nicht nur Applaus. Man bekommt auch Bewertungen, Häme, Grenzüberschreitungen. Das gilt besonders bei Formaten, die mit Bildern arbeiten. Ein Titel wie „tz Wiesn Madl“ ist deshalb nicht nur eine hübsche Auszeichnung, sondern ein Eintritt in eine Kommunikationsarena, die gnadenlos sein kann.

Viele unterschätzen, wie schnell aus einem lokalen Porträt eine virale Reichweite werden kann – oder wie schnell Fotos in anderen Kontexten auftauchen. Auch ohne dramatische Einzelfälle ist die Erfahrung für Kandidatinnen oft: Fremde Menschen schreiben über den Körper, über Kleidung, über „zu viel“ oder „zu wenig“ Tradition. Einige Kommentare sind nett, andere verletzend. Und manche gehen in Richtung Belästigung.

Damit stellt sich eine praktische Frage: Wie werden Kandidatinnen begleitet? Seriös ist es, wenn klar ist, an wen man sich bei Problemen wenden kann, wie Kommentare moderiert werden, welche Grenzen gelten und wie mit der eigenen Privatsphäre umzugehen ist. Dazu gehört auch, dass Teilnehmerinnen sich selbst schützen können: Nicht jede private Information muss in ein Profil, nicht jeder Instagram-Account muss öffentlich sein, und nicht jede Anfrage muss beantwortet werden.

Offline kommt eine weitere Ebene hinzu: Die Wiesn ist eine Ausnahmesituation. Wer dort erkennbar als „Wiesn-Madl“ unterwegs ist, wird angesprochen, fotografiert, vielleicht bedrängt. Das muss nicht passieren – aber es kann. Auch hier gilt: Gute Organisation bedeutet, nicht nur Termine zu planen, sondern auch Situationen zu antizipieren, in denen Grenzen getestet werden.

Bildrechte, Nutzungsrechte, Datenschutz: Was man vor einer Teilnahme wissen sollte

Ein Punkt, der in der Begeisterung gerne untergeht, ist das Rechtliche. Wer an einem Medienformat teilnimmt, gibt in der Regel Einwilligungen: zur Veröffentlichung von Fotos, möglicherweise auch zu Videoaufnahmen, zur Nutzung des Namens oder bestimmter Angaben. Was genau gilt, hängt von den Teilnahmebedingungen ab – und die sollte man nicht erst lesen, wenn die eigenen Bilder bereits online sind.

Wichtig sind dabei drei praktische Fragen: Erstens, wo und wie lange dürfen Fotos verwendet werden? Zweitens, dürfen Bilder an Dritte weitergegeben oder in anderen Zusammenhängen genutzt werden (zum Beispiel für Rückblicke oder Werbeformate)? Drittens, welche Daten werden gespeichert und wofür?

Man muss keine Juristin sein, um eine kluge Entscheidung zu treffen. Aber man sollte sich die Zeit nehmen, Unklarheiten zu klären. Seriöse Veranstalter erklären verständlich, welche Rechte sie benötigen, und räumen ein, dass Teilnehmerinnen Fragen haben. Wer sich unter Druck gesetzt fühlt oder das Gefühl hat, „das muss man halt unterschreiben“, sollte eher einen Schritt zurücktreten.

Ein weiterer Aspekt: das Alter. Öffentliche Wahlen, Fotos und die Wiesn-Atmosphäre sind kein neutraler Raum. Deshalb ist es zentral, dass Minderjährige besonders geschützt sind und dass Altersgrenzen und Einwilligungen sauber geregelt werden. Wenn Informationen dazu fehlen oder schwammig sind, ist Skepsis angebracht.

Mitmachen oder lieber nicht? Was Bewerberinnen realistisch erwartet

Viele, die sich für das „tz Wiesn Madl“ interessieren, schwanken zwischen Neugier und Bauchgrummeln. Das ist verständlich. Es gibt die schöne Seite: professionelle Fotos, ein besonderes Erlebnis, Teil eines Münchner Rituals zu sein. Und es gibt die unromantische Seite: öffentliche Bewertung, Zeitaufwand, Kommentarkultur, mögliche Vereinnahmung durch ein Bild, das man selbst so gar nicht gemeint hat.

Wer mitmacht, sollte sich ein paar ehrliche Fragen stellen: Fühle ich mich wohl damit, öffentlich sichtbar zu sein? Kann ich mit Kritik umgehen – oder brauche ich dafür Unterstützung? Habe ich Menschen in meinem Umfeld, die mir den Rücken stärken, ohne alles zu dramatisieren? Und ganz praktisch: Habe ich während der Aktion Zeit, Termine wahrzunehmen, ohne dass Schule, Ausbildung, Studium oder Job darunter leiden?

Hilfreich ist auch ein eigenes kleines Regelwerk: Welche Fotos möchte ich zeigen? Welche Themen sind privat? Wo ziehe ich Grenzen, wenn es um Flirt-Anspielungen oder Körperkommentare geht? Wer das vorher klärt, tritt souveräner auf – und reduziert das Risiko, sich im Nachhinein ausgeliefert zu fühlen.

Gleichzeitig lohnt sich ein fairer Blick: Viele Teilnehmerinnen machen positive Erfahrungen. Sie lernen Leute kennen, erleben München aus einer neuen Perspektive, gewinnen Selbstbewusstsein. Das funktioniert dann gut, wenn das Format mehr bietet als Oberfläche – und wenn die Kandidatinnen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern als unterschiedliche Persönlichkeiten sichtbar bleiben.

Was die Wahl über München erzählt: Zugehörigkeit, Sehnsucht, Klischee

Das Oktoberfest ist ein Spiegel. Nicht der einzige, aber ein sehr heller. In wenigen Wochen verdichten sich Fragen, die München das ganze Jahr begleiten: Wie viel Tradition will man, wie viel Event verträgt die Stadt, wie geht man mit Massentourismus um, und wer darf sich „Münchnerisch“ nennen?

Eine „Wiesn-Madl“-Wahl berührt genau diese Themen, weil sie Zugehörigkeit inszeniert. Wer wirkt „echt“? Wer passt zum Bild, das man von München haben will? Und wer fällt raus? Das sind keine harmlosen Fragen, auch wenn sie im Dirndl-Look daherkommen. Denn an solchen Symbolfiguren verhandelt eine Stadt ihre Identität – oft unbewusst.

Dazu kommt eine wirtschaftliche Dimension, die man nicht übersehen sollte. Die Wiesn ist ein Wirtschaftsfaktor: Gastronomie, Brauereien, Sicherheitsdienste, Schausteller, Hotellerie. Medienformate rund um die Wiesn sind Teil dieser Aufmerksamkeitsspirale. Das muss nicht zynisch sein – aber es ist ehrlich, es so zu benennen. Ein „tz Wiesn Madl“ ist nicht nur Romantik, sondern auch ein Baustein in der Vermarktung eines Lebensgefühls.

Und trotzdem bleibt etwas Echtes: Viele Menschen verbinden mit der Wiesn Erinnerungen, Familiengeschichten, ein Gefühl von Spätsommer in München. Wenn ein Format diese Seite sichtbar macht, kann es mehr sein als eine Schönheitsparade. Es kann erzählen, wie unterschiedlich „Wiesn“ sein kann – und gerade dadurch die Debatte öffnen, statt sie zu schließen.

Wie ein zeitgemäßes „Wiesn-Madl“-Format aussehen könnte

Die Diskussion um solche Titel ist nicht nur ein „Dafür oder dagegen“. Sie ist eine Einladung, genauer hinzuschauen: Welche Darstellung von Frauen (und Männern) wollen wir in der Öffentlichkeit? Wie kann man Tradition feiern, ohne Rollenbilder festzuschreiben? Und wie schafft man ein Format, das Spaß macht, ohne Menschen zu instrumentalisieren?

Ein zeitgemäßer Ansatz würde die Kandidatinnen weniger als „Objekte“ und mehr als Erzählerinnen ihrer eigenen Wiesn zeigen: Wo sind ihre Lieblingsorte in der Stadt? Wie erleben sie die Mischung aus Volksfest und Ausnahmezustand? Was bedeutet Tracht für sie – als Mode, als Handwerk, als Familiengeschichte, als Statement? Dazu gehören auch Brüche: nicht jede liebt Party, nicht jede trinkt, nicht jede findet Dirndl bequem, nicht jede hat eine „typische“ Wiesn-Biografie.

Außerdem wäre Vielfalt nicht nur ein Begleitwort, sondern sichtbares Prinzip: unterschiedliche Körper, unterschiedliche Herkünfte, unterschiedliche Lebensrealitäten. Das heißt nicht, dass jede Wahl automatisch alle gesellschaftlichen Fragen lösen muss. Aber es bedeutet, Verantwortung ernst zu nehmen – gerade wenn ein Medium Reichweite hat und Bilder prägt.

Und schließlich: Schutz und Transparenz. Ein modernes Format erklärt, wie es mit Daten, Bildern und Kommentaren umgeht. Es setzt Grenzen gegen Herabwürdigung. Es unterstützt Kandidatinnen, wenn die Öffentlichkeit kippt. Denn Sichtbarkeit ist kein Geschenk, das man einfach überreicht – sie ist eine Aufgabe, die organisiert werden muss.

Fazit: Das „tz Wiesn Madl“ ist mehr als eine Wahl – und genau deshalb lohnt sich der genaue Blick

Das „tz Wiesn Madl“ steht exemplarisch für die Frage, wie Volksfestkultur in einer digitalen Öffentlichkeit erzählt wird. Für manche bleibt es ein sympathisches Wiesn-Ritual, für andere ein überholtes Format, das zu stark auf Äußerlichkeiten setzt. Beides hat Gründe – und beides kann gleichzeitig wahr sein, je nachdem, wie die Aktion gestaltet ist und wie respektvoll das Umfeld damit umgeht.

Wer sich informiert, sollte deshalb nicht nur nach dem Gewinnernamen suchen, sondern nach dem Rahmen: Wie werden Kandidatinnen vorgestellt? Welche Rolle spielt Persönlichkeit jenseits des Fotos? Wie transparent sind Regeln, Rechte und Pflichten? Und wie ernst nimmt man den Schutz vor Grenzüberschreitungen? Dann lässt sich auch eine klare Haltung entwickeln – als Bewerberin, als Zuschauer oder als jemand, der sich einfach für Münchner Medienkultur rund um die Wiesn interessiert.

Am Ende entscheidet nicht ein Dirndl-Ausschnitt darüber, ob so ein Titel zeitgemäß ist, sondern die Frage, ob er Menschen würdig darstellt. Wenn das gelingt, kann das „tz Wiesn Madl“ tatsächlich ein Stück Wiesn erzählen – ohne dass es zur Kulisse wird.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das „tz Wiesn Madl“?

Das „tz Wiesn Madl“ ist eine von der Münchner Zeitung „tz“ begleitete Wahl bzw. Aktion rund um das Oktoberfest, bei der Kandidatinnen vorgestellt und am Ende eine Gewinnerin gekürt wird.

Ist das „tz Wiesn Madl“ ein offizieller Oktoberfest-Titel der Stadt München?

Nein. Es handelt sich um ein Medienformat einer Redaktion, nicht um einen offiziellen Titel der Landeshauptstadt oder der Oktoberfest-Veranstalter.

Wie kann man beim „tz Wiesn Madl“ mitmachen?

Typischerweise über eine Bewerbung während einer festgelegten Bewerbungsphase. Welche Unterlagen nötig sind (Fotos, Profiltext, Angaben), hängt vom jeweiligen Jahr und den Teilnahmebedingungen ab.

Muss man aus München kommen, um „tz Wiesn Madl“ zu werden?

Das ist nicht pauschal zu beantworten, weil die Regeln je nach Ausgabe variieren können. Oft spielt ein Bezug zu München oder zur Wiesn eine Rolle, aber entscheidend sind die jeweiligen Teilnahmebedingungen.

Worum geht es bei der Wahl – nur um Aussehen?

Auch wenn Fotos eine große Rolle spielen, wird häufig versucht, Kandidatinnen über kurze Porträts und persönliche Geschichten vorzustellen. Wie stark Persönlichkeit gegenüber Optik gewichtet wird, hängt von der konkreten Umsetzung ab.

Was sollte man vor einer Teilnahme unbedingt prüfen?

Vor allem die Einwilligungen zur Nutzung von Fotos und Daten (Nutzungsrechte, Dauer, Kanäle) sowie Regeln zu Datenschutz und Moderation. Bei Unklarheiten sollte man nachfragen, bevor man zustimmt.

Was passiert, wenn es zu beleidigenden Kommentaren kommt?

Das hängt von der Moderationspraxis des jeweiligen Mediums ab. Kandidatinnen sollten vorab klären, welche Ansprechpartner es gibt und wie konsequent gegen beleidigende oder übergriffige Inhalte vorgegangen wird.

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